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Wir vermissen dich und sind traurig das du bei unseren Treffen nicht mehr dabei bist.
Wir denken an dich
Trauerrede
18.04.2024 um 21:38 Uhr von Klaus-JürgenVerabschiedung von Reiner - Ansprache Klaus 13.10.2023 Friedhof Iptingen =============================================== Liebe Trauernde, ihr Lieben alle
Wir sind heute hier zusammengekommen um meinem lieben Bruder Reiner, Gerhard Grigo, geboren am 13.1.1953, das letzte Geleit zu geben.
Wir sind aus unterschiedlichen Gründen mit Reiner verbunden. Es ist hier die direkte Familie, die Kinder, die Enkel, die Ehefrau. in meiner folgenden Betrachtung kann ich meinen Beitrag nur aus der Sicht des Bruders leisten.
Aus meiner Sicht möchte ich mich zunächst von Herzen bedanken bei all denjenigen, die seit Reiners schnellem Abschied mir, und uns als direkten Angehörigen bei gestanden haben. Gerade der sehr plötzliche und unerwartete Weggang meines Bruders Bedarf Trost und Beistand. Sicherlich gab es im direkten Familienleben, wie in jeder Familie, Höhen und Tiefpunkte. Da ich an diesem nur durch gelegentliche, kurze Erzählungen beteiligt war, möchte ich hierzu nun nicht viel sagen müssen. Geschenke seiner Frau Ursula waren die Geburt seiner Söhne Manfred, Daniel und Manuel, sowie seiner Töchter Susanne und Maria, die heute auch hier versammelt sind. Ein Tiefpunkt war der schmerzliche Verlust des Sohnes Manuel .
Reiners berufliches Leben war von Anstrengung, aber auch Bestätigung geprägt, und wie ich weiß, war er immer viel beschäftigt. Ob es um sein selbstständiges Ingenieurbüro ging, seine gutachterliche Tätigkeit, oder auch sein universitäres Engagement bei der Ausbildung von Studenten, so war er viel damit beschäftigt und ausgefüllt. Allerdings reduzierte er in den letzten Jahren diese Tätigkeiten, ohne sie einzustellen, um mehr Zeit zu haben für Persönliches. Und so reiste er oft nach Äthiopien, um dort Freunde zu treffen, Studenten an der Universität Mekele auszubilden , und auch in dem Sinne seiner Religiosität zu wirken.
Mich als Bruder hat dies - ähnlich vermutlich wie die Familie - teilweise mit Sorgen erfüllt, wenn er in Äthiopien war, weil dort teilweise kriegsähnliche Zustände herrschen, und er sich mit einem Aufenthalt dort erheblichen Gefahren aussetzte. Reiner hat dies nicht abgehalten, nur zum Schluss wurde er langsam in Anführungszeichen „vernünftiger“. So hat er vor circa sieben Wochen noch eine Reise abgesagt, die er sich eigentlich vorgenommen hatte, weil dort wieder Kriegswirren herrschten und das auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung ausgesprochen hatte. Wenn er in Äthiopien war, so berichtete er mir, sei das Leben ihm irgendwie leicht vorgekommen.(?) Dies ist schon bemerkenswert und mag sonderbar erscheinen, denn dort herrscht Gewalt, Armut und Unterdrückung. Wie konnte das sein?
Um dies erklärbar zu machen, folgende Gedanken: Ich denke, mein Bruder und ich sind geprägt durch die Hinterlassenschaft des 2. Weltkrieges dem unsere Eltern ausgesetzt waren. Diese waren auf der Flucht, Greuelerfahrungen und die Frage nach einer ungewissen Zukunft war die Quittung für viele in der Zeit nach der Nazi Herrschaft in Deutschland. So waren meine Eltern beide auch Flüchtlinge. Beide waren traumatisiert durch Kriegsgreuel. Wie viele Frauen, wie wir heute wissen wurde meine Mutter durch einen Soldaten vergewaltigt. Wie wir heute aus der modernen Psychoanalyse verstehen, verarbeiten Kinder die Traumata ihrer Eltern oft, weil sie ihre Eltern nachempfinden möchten. Dies erklärt jedenfalls teilweise aus meiner Sicht, warum Reiner nicht einfach bequemlicherweise in Europa blieb, sondern solche Spannungsgebiete bereiste. Er wollte Not und Elend spüren, wie die Kriegsgeneration, um dieser emotional Nahe zu sein und somit mit deren Lebensgefühl verschmolzen, fühlte er sich mit den Eltern auch über die herrschende Not und Verzweifelung verbunden, welche für unsere Generation sonst kaum wahrnehmbar ist im heute befriedeten Europa.
Ich habe Reiner zweimal in Äthiopien besucht, um dies zu verstehen. Dort war es für ihn selbstverständlich, Armen und Hilfe suchenden beizustehen, dies gab ihm emotionalen Aufbau. Er bezog Stellung für diejenigen, die benachteiligt sind. Zudem verband er dies mit seiner religiösen Heilsbotschaft. So bot er aus seiner Sicht gleichzeitig seelische Hilfe an, für diejenigen, die sie annehmen wollten. Er hat auch mir beigestanden, als ich vor circa zwei Jahren unfallbedingt in einer schwierigen Lebensphase war.
Selbstlos hat er mir hier und da mit Rat und Tat zur Seite gestanden und war dieses Jahr mehrfach Besucher und Helfer in meinem Haus in Frielendorf.
Dabei habe ich als nicht-Gläubiger erlebt, dass Reiner seine Religionsauffassung nicht so absolut vertrat, wie vielleicht noch vor Jahren, sondern vor allem in der Praxis und in Hinblick auf eine Kultur der Teilnahme und Hilfe. Er war bereit zu akzeptieren, daß der Gedanke an Glaube, Hoffnung und Erlösung auf vielen Ebenen und in vielen Religionsauffassungen Menschen zusammenführen mag. Reiner war gläubig.
Der Taoist Liezi („Meister Li“) sagte ca 400 vor Christus: "Weißt du nicht, daß ein Mensch, der Glauben hat, alle Dinge bemeistern, Himmel und Erde bewegen, Geister und Götter rühren, ja die Enden der Welt durchkreuzen kann, ohne daß ihm etwas widersteht?"
Reiner hatte neben dem Glauben, auch grundsätzliche Prinzipien und Werte, die er gerne im gesellschaftlichen Leben widergespiegelt gesehen hätte.
So erinnere ich mich, dass er vor circa zwei Jahren berichtete, er sei nun auch in einer Partei Mitglied geworden. Es waren wohl die Grünen. Als jedoch die Grünen mit der SPD zusammen über Nacht die Riesensumme von 100 Milliarden € für zusätzliche Militärausgaben bereitstellten, weil mal wieder ein Krieg ausbrach, empörte ihn dies dermaßen, dass er umgehend wieder aus der Grünen Partei austrat. Dies spiegelt, wie sehr er zuletzt grundsätzlich und gegenwartsbezogen für zivilen Frieden eintrat, obwohl er in jungen Jahren selbst beim Militär Dienst tat.-
Somit hat er sich in meinen Augen mit dem älterwerden positiv gewandelt, nicht nur was seine Religionsauffassung anging, auch was seine gesellschaftliche Analyse betraf.
Was könne wir dabei lernen ? Wir alle haben nicht nur eine Seite, sondern machen Entwicklungsstadien mit und erweitern oder ändern auch unsere Überzeugungen mit den Lebenserfahrungen, dem Abgleich der Ideale mit der Realität.
Liebe Trauernde, so könnten wir noch viele Gedanken mit Reiner verbinden und tun dies auch, ebenso mit unserem Herzen. Ahnungsvoll habe ich mich in der Krankenhaus-Intensivstation einen Tag vor seinem Dahinscheiden verabschieden können mit den Worten „Wir haben Dich alle sehr lieb“, und er erwiderte, „ich habe Euch alle auch sehr lieb“.
In diesem Sinne wünschen wir uns und ihm, daß er das Gute und die Liebe, wonach er strebte, erlangt hat und behält.
Reiner, wir verneigen uns vor Dir und Deiner persönlichen, beruflichen und familiären Lebensleistung. Wir bewahren Dich in unserem Andenken und in unseren Herzen.